Anthorposophische Medizin

Hilfe oder Scharlatanerie?

Der Begriff “anthorposophische Medizin” ist den meisten Menschen vor allem im Zusammenhang mit der Lehre von Rudolf Steiner ein Begriff, dessen anthorposophische Weltanschauung heute vor allem in den Waldorfschulen weiterlebt.

Rudolf Steiner und die Anthroposophische Medizin

Der deutsche Philosoph Rudolf Steiner entwickelte seine anthorposophische Lehre um die Jahrhundertwende, indem er zahlreiche Quellen von Nietzsche über Goethe bis zur altindischen Lehre von Karma und Reinkarnation vermischte und diese zunächst als Theosophie vorstellte, d.h. als religiös-geistige Lehre. 1913 gründete Steiner das erste sogenannte Goetheanum südlich von Basel, das er als Verstaltungs- und Tagungsort der anthroposphischen Gesellschaft nutzte. 1919 folgte die erste Waldorfschule, die ihren Namen von der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik erhielt, deren Generaldirektor die Schule für die Kinder seiner Arbeiter erbauen ließ.

1921 wurde mit der Weleda AG die erste pharmazeutische Firma gegründet, die anthorposophische Medikamente herstellte und vertrieb. Diese haben heute einen Stand, der mit der Homöopathie vergleichbar ist: Da die anthorposophische Medizin als “besondere Therapierichtung” anerkannt ist, dürfen sie als Arzneimittel ohne Wirksamkeitsnachweis zugelassen werden, solange ein Experte der Therapierichtung sie als wirksam anerkannt hat.

Die Lehre der vier Wirklichkeiten

Die stark philosophisch beeinflusste medizinische Lehre der Anthroposophie fußt auf der Annahme, dass die Wirklichkeit aus vier unterschiedlichen Ebenen besteht, von der jedoch nur eine Ebene durch den normalen Menschen wahrgenommen wird. Für die drei anderen Ebenen bedarf es eines Menschen mit übersinnlicher Wahrnehmung.

Die normale Ebene entspricht unserer Wirklichkeit und dem körperlich vorhandenen Leib. Die zweite Ebene wird als ätherischer Leib bezeichnet, den jedes Lebewesen besitzt und dem die Imagination entspringt. Die dritte Ebene entspricht dem astralischen Leib bzw. der Inspiration, die nur Tieren und Menschen zueigen ist, nicht jedoch den Pflanzen. Die vierte Ebene schließlich erhebt den Menschen auch über das Tier und umfasst die geistige Individualitiät, das “Ich”, das jeder Mensch besitzt.

Bei einem gesunden Menschen befinden sich diese vier Ebenen im Einklang miteinander. Wird jedoch die Wechselwirkung der vier Ebenen gestört, erkrankt der Mensch. Die anthorposophische Medizin ist dann gefragt, um den Einklang wieder herzustellen. Speziellen pflanzlichen und mineralischen Substanzen wird die Wirkung zugeschrieben, die vier Wirklichkeiten des Menschen beeinflussen zu können. Die bekannteste und zugleich eine der umstrittensten Behandlungen ist die Misteltherapie, bei der Krebserkrankungen mit dem Extrakt der weißbeerigen Mistel behandelt werden. Ein Wirksamkeitsbeweis für die Therapie besteht jedoch nicht und sie darf höchstens als ergänzende Therapie neben der medikamentösen Krebstherapie eingesetzt werden.